Bevölkerung

In Madagaskar leben 17,5 Millionen Einwohner. Man unterscheidet 18 ethnische Gruppen, die regional getrennt leben, mit eigenen Dialekten, Sitten und Gebräuchen. Kulturell eint sie die gemeinsame Sprache Madagassisch. In Madagaskar ist die Hälfte der Bevölkerung unter 20 Jahre. Die Wachstumsrate ist mit über drei Prozent die höchste in Afrika. In Verbindung stehen die negativen Folgen durch das traditionelle Abbrennen von Wald für landwirtschaftliche Zwecke oder die Rodung für Bau und Heizmaterial.
Zwar steigt die Lebenserwartung auf etwa Mitte Fünfzig, doch ist die Kindersterblichkeit laut offiziellen Statistiken immer noch sehr hoch.
Madagaskar gehört zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. Hier herrscht eine klassische Zweiklassen-Gesellschaft: Sehr wenige besitzen fast das gesamte Volksvermögen. Dagegen lebt der Rest der Bevölkerung vor allem die Landbevölkerung in erdrückender Armut.
 
Kuhkarren Kinder

Lebensgewohnheiten

Das Leben der einfachen Bevölkerung gleicht demjenigen in der Schweiz im vorletzten Jahrhundert. Alles wird noch von Hand erledigt. Man steht am Morgen mit dem Sonnenaufgang auf, sammelt Holz, kocht auf offenem Feuer oder auf Holzkohle, wäscht die Wäsche im Bach oder Fluss, bestellt seinen Garten oder die Felder. Das Wasser holt man am Dorfbrunnen. Einkäufe tätigt man auf dem Markt. Man geht zu Fuß, meistens barfuß. Gegenstände trägt man auf dem Kopf. Gebadet wird im Fluss oder Weiher. Die Kinder spielen mit selbst gebastelten Spielzeugen. Die Frauen gebären, erziehen die Kinder und arbeiten zusätzlich auf dem Feld. Man ist weitgehend Selbstversorger. Am Abend, wenn es einnachtet, geht man zu Bett. Geschlafen wird auf Bastmatten. Die Landbevölkerung kommt zu über der Hälfte ohne Bargeld aus. Der Tauschhandel herrscht vor. Der Aktionsradius der Einwohner beschränkt sich außerhalb der Städte auf einen Umkreis, den man zu Fuß erreichen kann. Nur wenige Madagassen haben ihr eigenes Land bereist. Die Familie bestimmt fast alles. Gehorsam und Respekt gegenüber den Alten besteht noch. Man lebt in Großfamilien, Urgrosseltern, Grosseltern, Kinder, Enkel und Urenkel leben zusammen. Die Erziehung der Kinder erfolgt gemeinsam. Die Ältesten schulen die Kinder, indem sie ihnen am Abend am Feuer Geschichten erzählen und sie die Traditionen lehren. Heute gibt es eine obligatorische Schulpflicht. Geboren und gestorben wird in der Familie. Die Geburt und der Tod gehören zum Leben. In der Regel erfolgt die Heirat innerhalb einer Ethnie oder sogar innerhalb der nächsten Umgebung. Die Frau zieht zu ihrem Mann und wird auch im Familiengrab des Mannes beerdigt. Das Hab und Gut, insbesondere Kleider, werden untereinander ausgetauscht und ausgelehnt. Es herrscht ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Für die wichtigsten Anlässe im Leben wie Verlobung, Hochzeit, Beerdigung, Leichenwendefeier und sonstige Familienanlässe werden die besten Kleider getragen und wird viel Geld aufgewendet.
Gegenüber Fremden, auch gegenüber Weißen, hat man wenig Berührungsängste oder Ressentiments. Als Weißer wird man oft auch von wildfremden als "Patron" angesprochen. Da Alkoholika - insbesondere Rum und Bier - relativ günstig sind, trinken die Männer oft viel.
Die große Armut hat dazu geführt, dass "Dein und Mein" nicht mehr überall respektiert wird. Das Wort "Vertrauen" muss leider aus dem Vokabular gestrichen werden. Auch der Umgang mit der "Wahrheit" ist bei vielen Bewohnern als "relativ" einzustufen. Wahr ist oft das, was man denkt es sei wahr. In der Hauptstadt und den größeren Städten ist festzustellen, dass sich die Lebensgewohnheiten immer mehr denjenigen von Europa anpassen. Der Zerfall der Sitten ist festzustellen. Quelle: Dilag-Tours